Vita und Statement Gourgé

Geboren 1965 in Wiesbaden. Abitur 1984 am Gymnasium Leoninum in Handrup/Emsland; Jurastudium an der Universität Hamburg sowie - als Referendar - an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer. 1993 erste juristische Staatsprüfung (Diplom); 1997 zweite Staatsprüfung. Tätigkeiten u.a. als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Hamburg, Rechtsanwalt, Korrektor an den Universitäten Hamburg und Osnabrück, akademischer Tutor, Organist und Band-Musiker. 2007/2008 Teilnahme an der Orgelsachverständigen-Ausbildung der Vereinigung der Orgelsachverständigen Deutschlands (VOD), Mitglied in der VOD. Von 2014 bis 2019 Rechtsberater der GdO (in dieser Mitglied seit 1998) und in dieser Eigenschaft Mitglied im Hauptausschuss. Seit 2018 Lehrbeauftragter und Prüfer an der Hochschule der Polizei in Hamburg. Seit dem 15. Lebensjahr begeisterter Orgel- und Klavierspieler und langjähriger Organist an einer katholischen Kirche.




Liebe Orgelfreundinnen und -freunde,


bei der diesjährigen Wahl des Hauptausschusses der Gesellschaft der Orgelfreunde treten Markus Bäumler, Oliver Horlitz, Michael Gerhard Kaufmann, Martin Sturm und ich als Gruppe an, wenn wir auch - der Satzung der GdO entsprechend - Einzel- kandidaten sind. In der Geschichte der GdO ist dies bisher wohl noch nicht vorgekommen.


Denn wir sind uns in zentralen Fragen einig: wir glauben, dass die GdO nur dann eine Zukunft hat, wenn sie sich im Musik- und Kulturleben deutlich hörbar als gesellschaftliche Stimme aller derjenigen engagiert, die Wert auf eine künstlerisch anspruchsvolle Orgelkultur und Kirchenmusik legen und sich für die Orgel als deren zentrales Instrument einsetzen.


Jahr für Jahr verlieren die beiden (noch) großen Konfessionen hunderttausende Mitglieder (katholische Kirche: seit 1990 ca. sechs Millionen; evangelische Kirche: ca. acht Millionen). Mit der existentiellen Krise, in die die Kirchen geraten sind und die sich aller Voraussicht nach weiter verschärfen wird, schwinden auch die sozialen und kulturellen Milieus, in denen der Kontakt mit der Orgel stattfindet - eine für die GdO gefährliche Entwicklung.


Im Glauben, man könne damit verloren gegangene Mitglieder zum Wiedereintritt bewegen oder sogar neue Mitglieder gewinnen, wird in beiden großen Kirchen zudem die Orgel in der Liturgie zunehmend zurückgedrängt zugunsten wenig überzeugender bis völlig anspruchsloser "Popularmusik"- oder "Worship"-Projekte. Dabei hat sich schon seit den 1970er Jahren mit der Einführung der "neuen geistlichen Lieder" eindrucksvoll gezeigt, dass die Trivialisierung von Theologie, Liturgie, Rhetorik und Musik kein brauchbares Konzept für die Kirchen ist, um deren gesellschaftlichen Bedeutungsverlust aufzuhalten. Im Gegenteil: es liegt sogar nahe, dass die "Verpoppung" diesen Bedeutungsverlust eher noch beschleunigt und verstärkt hat.


Ein wichtiges Indiz dafür sind die inzwischen fast zum Regelfall gewordenen geschmacklos-peinlichen Musikwünsche bei Trauungen, von denen viele Kirchenmusikerinnen und -musiker sprichwörtlich "ein Lied singen können". Diese

lassen erkennen, dass in vielen gesellschaftlichen Schichten die Kirchen und die Kirchenmusikerinnen und -musiker nur noch als Dienstleister wahrgenommen werden und jedes Gefühl dafür abhandengekommen ist, was in kirchlichen Räumen und in einem solchen liturgischen Rahmen angemessen ist.


Es ist deshalb aus unserer Sicht höchste Zeit, gegenzusteuern. Die GdO würde ihre eigenen Ziele aufgeben, würde sie diese Entwicklung weiter hinnehmen, ohne engagiert Stellung zu beziehen - auch und gerade gegenüber den Kirchen.


Wir glauben deshalb, dass in dieser Situation Passivität kein brauchbares Rezept mehr für die Zukunft der GdO ist. Wir stehen für eine aktive GdO, die Fehlentwicklungen insbesondere gegenüber kirchlichen Entscheidungsträgern klar benennt, die aktiv den großen Wert der Orgelkultur vermittelt und ebenso aktiv um Mitglieder wirbt, die unsere Ziele teilen.


In diesem Sinn bitten wir Sie um Ihr Vertrauen und Ihre Stimme. Und was wir Ihnen schon in den schriftlichen Wahlunterlagen angeboten haben, gilt weiter: schreiben Sie uns, rufen Sie an - wir freuen uns über Ihr Interesse!


Ihr:


Wolfgang Gourgé

jura@orgelkultur-stärken.net